Die Sinnlichkeit

 

 

Obstplatte mit Wein und Kerzenlicht by S.J.M.

 

Wie sehr war ich mit einem guten Menschen verbunden. Kluge Worte der Weisheit begleiteten mich mit ihm. Gute Handlungsweisen waren stets unser Ziel. Ach, wie schnell die Jahre dahinzogen und sehr lang sah ich ihn nicht mehr. Schmal war sein Körperbau, seine Augen in braun. Die schwarzen Haare waren etwas länger. Elegant war er gekleidet. Wir kannten uns schon eine Weile und verbrachten das Wochenende oft zusammen. Meiner Familie wollte ich noch nichts von uns erzählen, denn schließlich war dieses Schicksal mit ihm ein Teil des seines und meines Lebens.

Eines Nachts träumte ich: Das mein Vater in die Wohnung kam, um mir eine Freude zu bereiten, indem er mir ein Geschenk vorbeibrachte. Doch kurz bevor mein Vater in die Wohnung kam, war ich im Wohnzimmer mit meinen guten Freund, der sich in Sinnlichkeit vor mir im Tanze und im Takt der Melodie bewegte und wir uns etwas näher kamen. Mein Vater hatte uns beinahe erwischt in meinem Traum.

Noch schwieg ich vor mir hin und erzählte so etwas nicht, denn es waren ja nur Träume, so dachten viele vor meinem Angesicht. Sogar auch einmal ich. Nachdem wir wunderschöne Tage zusammen verbracht hatten und uns für die dritte Welt in der Politik etwas eingesetzt haben, merkten wir gar nicht wie schnell die Zeit vergehen konnte. Er sagte immer zu mir: „Du kennst dich nicht!“ Wie war es jetzt zu verstehen? Wir lebten dieses Leben, auch wenn wir uns in der Woche nur telefonisch verständigten. „Ich gebe dir eine Hausaufgabe, überlege dir mal ganz genau wer du bist.“Dafür hatte ich eine Woche Zeit, doch was konnte ich sagen? Ich suchte mir die positiven, sowie negativen Eigenschaften heraus, und fing an sie aufzuschreiben: demütig, bestimmt, freundlich, nett, fantasiereich, kreativ, leistungsbereit, lernfähig, gastfreundlich, gefühlsbetont, achtsam, gerechtigkeitsliebend, und so weiter und sofort. Die negativen Eigenschaften waren: angstvoll, anspruchslos, manchmal antriebslos, frech, vorschnell, selbstkritisch, verletzbar und so weiter und sofort. Am Ende hatte ich über einhundert Eigenschaften zusammen getrommelt, und rief meinen Freund an. „Du wolltest wissen wer ich bin. Ich habe mir erlaubt ein paar Eingenschaften über mich zu schreiben. Wenn du Zeit hast, dann lese ich sie dir sehr gerne mal vor. Nach dreißig Eigenschaften hörte ich an seiner Atmungsweise, das es ihn zu langwierig vorkam. „Ich bin noch nicht fertig.“, und ich las weiter. Bis er mich fragte:“ Wie viele Seiten hast du denn noch geschrieben?“ „Ähm, ungefähr noch fünfzig Wörter.“  „Oh Gott, oh Gott! Eigentlich hätte ich gedacht, dass du dieses in ein paar Worte sagst.“ Ich fühlte wie er seine Hand zum Kopf richtete, obwohl ich ihn nicht sah. „Aber ich bin doch schon kurz, knapp und bündig.“, meinte ich. Weiter ging es mit der Aufzählung der Eigenschaften, bis ich damit fertig war. „Nein, du bist ganz anders.“, hörte ich. „Wie soll ich mich sonst beschreiben?“                                                                                                                                                                                                                                "Ich kann dich mit einer Eigenschaft beschreiben", sagte er schließlich. Und dieses eine Wort war, in einem kurzen Satz formuliert: „Du bist die Liebe.“ An alles hatte ich gedacht, nur das Wort Liebe fehlte.

Er war für seiner Familie ein großes Vorbild in seinen Tätigkeiten. Er nahm seiner Schwester und seinen Schwager sehr viel Arbeit ab. Er kümmerte sich liebevoll um ihre drei Kinder und jedes Kind war besonders gut in der Schule. Strenge konnte mir nicht schaden, denn wenn ihn etwas nicht gefallen hat, dann sagte er es mir ganz schnell und mit Handlungsweisen erzog er mich schließlich zu einer Frau, die für seinen Sinn entsprach. Somit wurde unsere Bindung von Tag zu Tag stärker. Und die Nähe der Vertrautheit war ein besonderes Zeichen.

Eines Tages verabredeten wir uns wieder, wonach ich mich schon seid längerem sehnte. Ein Monat verging wie im Fluge. Man könnte meinen die Zeit raste davon. Nun wollten wir unsere Gemeinsamkeit, als meine Tochter zu Mittag im Bett schlief, für uns verbringen. Ich schnitt verschiedene Obstsorten auf und legte sie dekorativ auf einem silbernen Tablett. Der Duft von süßen Erdbeeren, der Wassermelone und den Bananen, sowie Weintrauben ließ die Düfte frei in den Raum entfalten. Und der Rotwein beruhigte mein Innerstes. Das Kerzenlicht war im Tageslicht kaum sichtbar, dennoch war es ein angenehmes Gefühl. Die Musik der Leidenschaft erweckte unsere Seele und wir fingen wie im Traum an zu tanzen. Die leichten Bewegungen waren etwas reizvoll. Wir schwebten durch die Räumlichkeiten und berührten unsere Hände, die gemeinsam nach oben glitten und seitwärts den Körper leicht berührten. Die Lippen berührten einander, als wären wir in den Sternen in heller Nacht. Eine Weintraube wanderte von seiner Hand in meinem Mund. Spürend mit allen Sinnen waren wir verbunden. Und mein Traum wurde nun so langsam wahr. Wer sehnte sich nicht nach zärtlichen Berührungen in Leidenschaft? Ich pfiff mit der Liebesmelodie im Hintergrund, und war so frei und offen wie ein schwebender Vogel. Wir schauten uns sehr tief in die Augen und manchmal kam es uns so vor, als würden wir voneinander mehr wahr nehmen, als tausend Worte sagen konnten. Einvernehmlich und ungehemmt waren wir erfüllt mit den Sonnenstrahlen, die im Raum schienen. Das T- Shirt meines anscheinenden, damaligen Partners fiel langsam aber sicher zu Boden.

Um Himmels Willen. Die Wohnungstür klickte, als würde jemand zu mir kommen wollen. Zum Glück erklang die Musik in normaler Zimmerstärke, damit ich dieses Geräusch wahr nehmen konnte. Es konnte nur mein Vater sein, er hatte als einziger den Zugangsschlüssel zu meiner Wohnung. Angezogen ging ich zur Tür und sagte: „Einen kleinen Moment noch, ich bin gleich bei dir.“                                                                                                                                                                                                                                               Schnell räumte ich die Gläser und die Weinflasche weg. Mein Freund nahm seine Sachen, lief ins Schlafzimmer und zog sich dort an. Er wollte meinen Vater noch nicht vor den Augen treten und heimlich aus der Wohnung verschwinden. Während er sich im Schlafzimmer zurecht machte, ließ ich meinen Vater in die Wohnung. So wie in meinem Traum stand er mit weißen Gardinen, als ein Geschenk zum Einzug vor mir. Ich bedankte mich ganz lieb. Obgleich mein Herz raste. Erwischt hatte mein Vater uns nur sehr knapp. Wir gingen vom Flur zusammen in das Wohnzimmer und ich packte meine Geschenke aus. Ähm, irgendwas stimmte mit dem Mädel nicht, dachte mein Vater sich. Denn schließlich lockte ich ihn in das Wohnzimmer, ohne das er sich frei bewegen konnte. Als ich mein Geschenk auspackte bat ich meinen Vater etwas zu trinken an. Nachdem ich ihn einen Kaffee gebrüht hatte, gab ich ihn diesen. „Ich gehe mal kurz für kleine Mädchen. Bin gleich wieder da.“ Ich verließ das Wohnzimmer, schloss die Tür hinter mir und blickte in das Schlafzimmer. Mein Partner war angezogen, mein Kind hellwach in ihrem Bettchen. Also zog ich die kleine Maus an und verabschiedete mich von meinen Freund. Noch ohne mein Kind gingen wir in den Flur, die Wohnungstür war halb geöffnet und mein Freund war schon mit einem Fuß aus der Wohnung getreten. Mein Vater öffnete die Wohnzimmertür und fragte sofort: „Was suchen sie denn hier?“ Er nahm die Hand vor dem Mund und begann zu hüsteln: „Die Wohnungstür stand offen, ich wollte mal rein schauen und nach fragen ob alles in Ordnung wäre.“ „Wer sind sie überhaupt, wohnen sie hier?“, spielte ich im Spiel mit. „Ich bin ein Nachbar. Ich wollte ihnen sowieso viel Glück für den neuen Lebensabschnitt in ihrer neuen Wohnung wünschen. Da ich mitbekommen habe, dass sie neu in diesem Haus sind.“ Nun hatte er sich fast selber verraten. Wir verabschiedeten uns, und ich schloss die Wohnungstür zu.

Ob mein Vater ihn später erkannte, als ich ihn vorstellte? Ich denke schon. Der Traum deutete mir den Weg. Und er war ein besonderer Schutz für mich. Wieso? Betend stand ich schon vor Wochen, bevor die Begebenheit stattfand zu Gott: „ Bitte lieber Herr der Lüfte, ich möchte nicht so früh mit einem Mann ins Bett gehen. Ich möchte ihn erst kennen lernen und nicht nur mit der körperlichen Sinnlichkeit berühren. Im Namen deines geliebten Sohnes, Jesus Christus, Amen.“


 

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